Dr. sc. nat. Wolfgang Schatz hat Mitte August 2021 gleich zwei neue Stellen angetreten: Zum einen als Rektor des Fachbereichs Recht bei der Kalaidos Fachhochschule (Kalaidos Law School) in Zürich und zum anderen als Institutsdirektor an der ZLS Zurich Law School. Er hat ein Studium in Erdwissenschaften an der ETH und der Universität Zürich abgeschlossen und an der Universität Zürich in Biologie promoviert. Als ehemaliger Leiter der akademischen Dienste bzw. akademischer Direktor und Generalsekretär der Universität Luzern ist er ein ausgewiesener Kenner der Schweizer Hochschullandschaft. In diesem Interview richten wir den Fokus auf seine Tätigkeit an der ZLS Zurich Law School. Er spricht darüber, was ihn bewogen hat, die Stelle an der ZLS anzutreten, was er bewegen will und zeigt auf, welche Verbindungen es zwischen der Kalaidos Law School und der Zurich Law School gibt.

Was hat Sie bewogen, die Stelle als Institutsdirektion an der ZLS Zurich Law School anzutreten?

Das Neue. Die Zurich Law School ist eine Pionierin in der Rechtsausbildung in der Schweiz und bietet den zweiten Zyklus, den Masterstudiengang, für berufstätige Studierende an, der auf einem Fachhochschulbachelor aufbaut. Was mich an der Stelle fasziniert ist der Aufbau eines universitären Instituts und des Studienganges. Man kann sich die organisatorischen Strukturen neu überlegen ohne historische Altlasten und Abhängigkeiten wie oft bei alteingesessenen Universitäten.

Aktuell sind Sie auch als Dozent an der ETH Zürich sowie Kursleiter an den der Universität Bern in Ihren angestammten Fachgebieten tätig. Sie bewegen sich inhaltlich zwischen zwei Welten. Was heisst das für Sie?

Ich unterrichte sehr gerne. Seit über 25 Jahre bin ich in der Hochschullehre ohne Unterbruch tätig. Dies auch in unterschiedlichen Disziplinen. Ich unterrichte zurzeit im Departement Erdwissenschaften an der ETH Zürich und im Weiterbildungsstudiengang «Hochschuldidaktik» an der Universität Bern. Aber auch in der Biologie (Universität Zürich) oder in der Soziologie (Universität Luzern) habe ich doziert. Die Disziplinäre Vielfalt und Kulturen sind aber nicht nur durch den Unterricht, sondern auch durch meine Funktionen im Hochschulmanagement bestens bekannt. Diese «Bewegungen zwischen den Welten» ist für mich nichts Neues und begleitet mich schon seit Jahrzehnten. Diese «Weltenwanderungen» sind für mich aber sehr inspirierend und helfen mir auch, meine Aufgabe an der ZLS mit viel Erfahrung anzugehen.

Was ist das für ein Gefühl, bei einer neugegründeten Law School dabei zu sein?

Ein gutes. Bin sehr gespannt, wie die Law School sich entwickelt und freue mich, sie beim «Grösser- und Erwachsenwerden» begleiten zu können. Es ist aber auch eine grosse Herausforderung. Die ZLS muss sich einerseits auf dem Markt behaupten und anderseits auch in der Schweizer Hochschullandschaft.

Welche Ambitionen verfolgen Sie damit? Was wollen Sie bewegen?

Die ZLS füllt eine Nische in der Rechtsausbildung. Wir fokussieren uns auf Berufstätige und/oder Personen mit Familien- oder Betreuungsaufgaben, welche kein klassisches Rechtsstudium in Angriff nehmen möchten respektive können. Die Karriere muss nicht unterbrochen werden, um sich weiterzubilden und einen Master in Law zu erwerben. Wir bieten auch einen reibungslosen Übergang zwischen dem Bachelor in Law der Kalaidos Law School zu dem weiterführenden Masterstudiengang an der ZLS an. Das ist neu und ich hoffe, die Zurich Law School bietet vielen Interessierten für Rechtswissenschaften und Studierenden ein gutes Angebot zur beruflichen Qualifikation. Ich möchte auch Personen, welche nach einem Bachelor in Rechtswissenschaften in die Berufswelt gewechselt haben, eine familien- und karrierefreundliche Möglichkeit geben, weiter zu studieren.

In der Vergangenheit haben Sie an der ETH Zürich verschiedene Projekte geleitet, so zu zur Bologna-Reform, Curriculumsentwicklung und zur akademischen Lehrentwicklung. Welche Erkenntnisse aus diesen Tätigkeiten können Sie in Ihrer neuen Funktion als Institutsdirektor der ZLS anwenden?

Ich habe mir bei meiner Arbeit dabei das theoretische Wissen und wissenschaftlichen Background zu diesen Themen erworben. Anderseits habe ich Curriculareformen auch in unterschiedlichsten Disziplinen umgesetzt, so dass ich die Fehler und Schwierigkeiten kenne und noch wichtiger, wie man die Stakeholder einbindet und welche Konzepte funktionieren für ein gutes Studium und Lehre. Ich werde mein Wissen und meine Erfahrung sehr gerne in die ZLS einbringen, um ein optimales Studium anbieten zu können.

Welche Rolle spielt die Forschung an der ZLS Zurich Law School?

Forschung ist neben der Lehre die zweite Säule der ZLS. Die beiden Bereiche sollen und müssen sich gegenseitig befruchten und weiterbringen. Studierende sollen in der Lehre den Stand der aktuellen Forschung mitbekommen und Forschungsmethoden lernen. Die Masterarbeit ist per se eine Forschungsarbeit. Die ZLS wird in Zukunft auch ein Doktorat in Rechtswissenschaften anbieten. Dies zeigt, glaube ich, gut die Ambitionen in der Forschung auf. Mein Ziel ist es, dass sich die ZLS möglichst bald in den Forschungsstrukturen der Schweiz etabliert, beispielsweise Forschungsprojekte beim Schweizer National Fond einwirbt, und mit in- und ausländischen Institutionen Forschungskooperationen eingeht. Wir werden unsere Forschenden, insbesondere die Nachwuchsforschenden, mit Infrastruktur und Fördergeldern unterstützen.

Wie unterscheidet sich das Studium an der ZLS gegenüber einem rechtswissenschaftlichen Studium an anderen Universitäten? Und für wen würden Sie den Master of Law an der ZLS empfehlen?

Einige Aspekte habe ich oben schon erwähnt. Ein deutlicher Unterschied ist sicherlich der Aufbau des Studienganges (dies ist nicht inhaltlich gemeint – da sind wir gleich wie die klassischen Universitäten - sondern im modularen Aufbau und der Flexibilität des Studiums) und die Lehr- und Lernstrukturen. Wir möchten die Studierenden in Ihrem Studium, das die meisten neben ihrem Beruf absolvieren, so gut wie möglich unterstützen und den Kompetenzerwerb fördern. Dies gelingt uns einerseits mit sehr engagierten und hochqualifizierten Dozierenden, anderseits können wir die Studierenden mit kleineren «Klassen» unterrichten und so auf die individuelle Studiensituationen viel besser eingehen als Universitäten mit mehreren Hunderten von Studierenden in der gleichen Kohorte.

Gibt es allfällige Innovationen, auf die sich künftige Studierende der ZLS freuen können?

Wir werden integrale Unterrichtsunterlagen zur Verfügung stellen. Dies bietet keine andere Universität. Zurzeit sind wir am Ausbau der technischen Infrastruktur, um zukünftig hybriden Unterricht mit modernster Technik anbieten zu können.
Inhaltlich werden wir einen starken Fokus auf den Transfer in den Berufsalltag setzen und mit Anwaltskanzleien, Firmen und den Gerichten zusammenarbeiten. Beispielsweise werden wir Moot Courts im Studium anbieten.

Welche Verbindungen gibt es zwischen der Kalaidos Law School und der Zurich Law School? Und (wie) können Studierende beider Schulen von den Synergien profitieren?

Die beiden Angebote sind inhaltlich und strukturell aufeinander abgestimmt. Somit bieten wir alle drei Zyklen (Bachelor, Master und Doktorat) ohne «Reibungsverluste» an, d.h. die Inhalte sind auf einander abgestimmt und der Übertritt in den nächsten Zyklus ohne Auflagen möglich.

Das Studium ist berufsbegleitend. Wie funktioniert das genau?

Das Studium ist modular aufgebaut, d.h. man hat kürzere Lerneinheiten, welche man mit einer Leistungskontrolle abschliesst. Die meisten Module lassen sich in der Abfolge flexibel besuchen. Wenn man aufgrund des Berufes oder der familiären Situation pausieren möchte, kann man dies problemlos machen und später wieder einsteigen. Viele Lerninhalte sind als Selbststudium ausgelegt, so das eine hohe Flexibilität des Lernzeitraumes gewährleistet ist.

Sie sind seit jeher im Hochschulumfeld tätig. Wie hat sich das Lehren und Lernen im Laufe der Jahre aus Ihrer Sicht verändert?

Die Interaktionen im Lehr-/Lernprozess ist viel grösser geworden. Damit meine ich, dass nicht mehr reine Vorlesungen, welche immer noch ihre Berechtigungen haben, sondern mehr interaktive Gefässe das Lernen der Studierenden heute fördern. Neben dieser strukturellen Änderung, wird heute weniger Inhalte vermittelt, sondern der Schwerpunkt liegt auf dem Erwerb von Kompetenzen. In diesen beiden Bereichen sind wir als «kleiner», innovativer Bildungsanbieter weiter fortgeschritten als andere.

Wenn Sie Ihr Leben nochmals von vorne anfangen könnten, wäre ein Studium der Rechtswissenschaften eine attraktive Option für Sie?

Es war in meiner Jugend schon eine attraktive Option. Ich habe mir verschiedene Disziplinen überlegt, als ich vor der Studienwahl stand und Rechtswissenschaften war eine davon. Ich habe es damals wohl nicht gewählt, weil mein älterer Bruder schon Recht studierte und ich mich wohl etwas abgrenzen wollte.

Institutsdirektor ZLS Zurich Law School
Dr. sc. nat. Wolfgang Schatz

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